Schönheitsideale – ein Appell an die Vernunft

Ich hab eine lange Zeit in meinem Leben (vor allem als Jugendliche) „Probleme“ mit meinem Aussehen und meiner Figur gehabt. Ich denke so geht es vielen Menschen und in erster Linie Frauen. Aber woher kommt das? Hier ein kleiner Erklärungsansatz und die Hintergründe, wie man zu einem anderen Selbstbild kommen kann.

Wo kommen Schönheitsideale her?

Schönheitsideale sind nicht etwa in Stein gemeißelt oder sind festgeschriebenes Gesetz. Ideale verändern sich im Laufe der Menschheitsgeschichte. Sie sind abhängig von Kultur und Gesellschaft. Im Newsletter der Initiative für werteorientierte Jugendforschung erschien ein Artikel, in dem der Wandel der Schönheitsideale, in meinen Augen, recht aufschlussreich beschrieben wird. Darüber hinaus erklärt er auch, wieso gerade junge Menschen so extrem davon betroffen sind.

Schönheitsideale in Kindheit und Jugend

Als Kinder werden wir in eine Welt von Idealen und Werten hinein geboren, die uns durch unsere Familien, kulturellen Hintergründe, Freunde und unser Umfeld, sowie die Werbung und die gesellschaftliche Einstellung vermittelt werden. Heute zum Beispiel gilt es als „schön“, wenn man besonders schlank und jugendlich wirkt. Weibliche Models heutzutage sehen eher aus, wie Teenager, aber nicht wie erwachsene Frauen. Somit passiert es unweigerlich, dass mit Beginn der Pubertät der eigene Körper ganz besonders genau unter die Lupe genommen wird. Viele Menschen in der Pubertät entwickeln Essstörungen auf Grund des zwanghaften Versuchs in das Schema zu passen.

Ich selbst kann mich zu deutlich daran erinnern, dass Körperformen bei uns zu Hause auch immer Thema waren. Das hatte für mich als Kind natürlich einen Einfluss, denn mir wurde klar: nicht jede Körperform ist wünschenswert. Dabei habe ich als Kind nie verstanden, wieso man sich so sehr über sich selbst beklagt. Für mich waren die Menschen, die ich liebe, immer schön. Außerdem waren die Äußerlichkeiten vollkommen belanglos. Was zählte waren und sind das Innere dieser Menschen, dass was sie uns geben und was wir für sie empfinden. Da hätte man eigentlich schon stutzig werden können, wie dieses gesellschaftliche Schönheitsideal mit meinem eigenen Ideal zusammen passt, denn schließlich waren meine Herzensmenschen doch genauso super, wie sie waren. Ich schätze solche Situationen kennen viele Menschen selbst.

Dann kam der Sport und die Pubertät

Durch den Leistungssport, den ich als Kind betrieben habe, und dann natürlich durch die Schule prasseln die Ideale dann noch stärker auf einen ein. „Mannsweib“ „du bist fett“ „du hast aber dicke Beine“ „Kerl“ „wieso ist dein Gesicht so rund“. Das sind alles Dinge, die ich als Kind oft gehört habe von anderen Kindern. Ich habe immer schon zu einem stärkeren Muskeltonus geneigt, was die Jungs beim Sport damals zum Anlass nahmen mich als Junge zu „beschimpfen“. Aus heutiger Sicht hat mich das stärker gemacht, ich habe heute kein Problem mehr damit und mache auch selbst Witze über meine „Männlichkeit“. Als ich aufhörte mit dem Leistungssport wollte ich nur eins, nicht mehr so muskulös aussehen, ich wollte was ganz weibliches machen: Tanzen. Damals wollte ich am liebsten zum Ballett und auch aussehen, wie eine Ballerina. Das wird leider nichts, wenn man schon beim Anblick von Hanteln runde ausgeprägte Muskeln aufbaut. Heute kann ich mich gut damit identifizieren. Ich mag es, dass meine Muskulatur so anpassungsfähig ist und ich „gut aufbaue“.

Fitness und Co.

Mit dem ganzen Fitnessthema kam für mich auch der Wunsch abzunehmen und definierter zu sein. Ich weiß ja wie es geht. Kann nicht so schwer sein, so eine Low Carb Diät und jeden Tag trainieren. Ist es tatsächlich nicht, aber der Körper hat trotzdem seinen eigenen Kopf. Durch den Stress und die Belastung im Arbeitsalltag reagiert der Körper auf das Training und die Ernährung nicht so wie unter Laborbedingungen. Bewegungssucht und Fressattacken wechselten sich ab. Irgendwann kam der Punkt wo ich all meine Gedanken zum Thema Essen über Bord warf. Ich hatte ganz andere Themen privat und beruflich, die mich beschäftigten. Außerdem hatte ich mit einigen orthopädischen Einschränkungen zu kämpfen. Monate später steige ich auf die Waage und Frage mich wo die 7 Kilo hin sind.

Der Moment des Erwachens

In dieser Zeit unterrichtete ich auch meinen Kinderakrobatikkurs. In einer Stunde kam ein kleines Mädchen von 9 Jahren zu mir und sagte „ich bin so dick“. Ich sah sie an und fragte sie „wo bist du denn bitte dicke“ „Na am Bauch“ kam als Antwort. Einige Kursstunden danach habe ich mich mal mit den Mädels zusammen umgezogen und da meinte sie wieder zu mir „Oh, du bist so schön und schlank.“ Das hat mich wirklich in Verlegenheit gebracht. Wie konnte es sein, dass so ein junger Mensch schon solche Selbstwertprobleme hat? Das Thema Body-Shaming war plötzlich sehr präsent. Ich hab mir dann den Film „Embrace“ angeschaut, Rotz und Wasser geheult und beschlossen nie wieder an mir rum zu mäkeln.

Mein Resümee

Ich hab mich nach dieser Erkenntnis wirklich gefragt, was ich in der Zukunft Leuten die abnehmen wollen oder sich zu dick fühlen sagen werde. Was ich den Kindern sage, wenn sie mir sowas sagen, wie die Maus in meinem Kurs. Ich denke wichtig ist, dass man Kindern nicht sagt „du bist schön“ und „du bist so schlank“. Viel wichtiger sind Dinge wie „Das hast du super gemacht“, „das war sehr hilfsbereit von dir.“. Handlungsorientiertes Loben sozusagen und kein Loben auf Grund optischer Merkmale. Für das Aussehen können wir nämlich nichts. Was mir wichtig ist ist, dass die Menschen versuchen beim Thema abnehmen immer an ihre Gesundheit zu denken. Das wäre mein Schönheitsideal: gesunder Körperbau. Manch einer ist dann etwas fülliger, fühlt sich aber wohl und hat kein gesundheitliches Risiko. Auch Untergewicht und viele Diäten sind nämlich gesundheitsschädlich. Mancher baut schneller Muskeln auf oder speichert Fett besser, mancher ist von Natur aus zierlich. Körpervielfalt ist etwas wundervolles. Am Ende ist nur wichtig, dass es nicht in Extreme ausschlägt und damit ein Risiko für Haarausfall, Diabetes, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oder ähnliches entsteht. Dafür braucht es im Einzelfall keine Werte wie BMI, Kilogramm oder ähnliches. Die Person mal genau anzuschauen reicht manchmal schon. Ich war einen Großteil meines Lebens laut BMI leicht übergewichtig und das bei einem Körperfettanteil von 20-22%. Bei vielen gesundheitlichen Problemen muss man sowieso interdisziplinär heran gehen. Das große Ganze sollte im Fokus stehen. Körpergewicht, Blutdruck oder ähnliches können sehr stark von vielen Dingen beeinflusst werden. In aller erste Linie müssen wir aufhören generelle Verurteilungen auszusprechen und Menschen auf Grund ihres Äußeren zu bewerten. Wir müssen unser Unterbewusstsein überlisten, in dem wir mit unseren Vorurteilen und Ängsten „arbeiten“. Ich kann an dieser Stelle empfehlen mal den Film „Embrace“ zu schauen oder auch „I feel pretty“ und den Newsletterartikel, auf den ich Eingangs verwiesen habe, zu lesen.
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Quellen:
©Picture by Ringo Schubert
Seywald, A., (2013). Problemzone Schönheit – Die Rolle von Schönheit in der Welt der Jugendlichen. Newsletter der Initiative für werteorientierte Jugendforschung, 19, Gießen: Institut für Ethik und Werte, verfügbar unter: https://www.ethikinstitut.de/fileadmin/ethikinstitut/redaktionell/Texte_fuer_Unterseiten/Jugend_und_Werte_Newsletter/19-Problemzone_Schoenheit.pdf
Brumfitt, T. & 20th Century Fox. (2016). Embrace – Dokumentarfilm. Verfügbar unter: https://dokustreams.de/embrace-du-bist-schoen/
Kohn, A.& Silverstein, M. (2018). I feel pretty [Film].
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Mlv6F-alpbE

8 Gedanken zu “Schönheitsideale – ein Appell an die Vernunft

  1. Da es letztlich ein Wettbewerb der Gene ist und wir uns davon nicht trennen können, wird es immer ein Ranking geben. Davon sind Frauen genau so betroffen wie Männer. Darüber sich aufzuregen ist so sinnvoll wie über die Schwerkraft. Letztlich muss jeder sein Glück in sich selbst finden. Wer das nur in der Reflexion der Anderen sucht wird in der Regel scheitern. Gerecht ist das nur in der Konsequenz, das alle betroffen sind, leider.

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    1. Um das Aufregen geht es am Ende gar nicht. Ich denke es geht vor allem darum, wenn man zu einer gewissen Erkenntnis gelangt. Wie gehe ich damit um und welchen Einfluss habe ich zum Beispiel auf meine Kinder oder Schüler.

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      1. Ich glaube, es ist sehr schwer in jungen Jahren damit umzugehen. Gruppen sind bedeutend für das Selbstwertgefühl, die Erfahrungen fehlen, dass es weitergeht auch nach dem Kummer…Das muss man kommunizieren…

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      2. Vermutlich ist dem so. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung und völlig naturgegeben. Dennoch denke ich, dass die familiären Erfahrungen und das Wertegefüge in dass man hinein geboren wird für die meisten Menschen den stärkeren Einfluss auf das spätere Erwachsenenleben hat als die peer group im Teenager-Alter.

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      3. Ja, mit zunehmenden Alter lässt der Einfluss nach und eigene Werte bekommen mehr Bedeutung. Ein wenig Glück braucht es aber um ohne größere Verluste dieses Alter zu erreichen.

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